Donnerstag, 22. januar 2009
4
22
/01
/2009
08:53
Morgens, halb 6 in Deutschland.
Ein kleines Energiebündel klopft an die Tür, wartet artig ab, bis mein verschlafenes "Ja?!" in ihre Ohren vordringt, streckt neugierig ihren Kopf durch die Tür und springt in mein Bett als sie
merkt, dass ich alleine drinliege.
"Mamaaaa! Aufstehen!" Müde reib ich mir die Augen, werfe einen Blick auf die Uhr und versuche meine Tochter davon zu überzeugen, dass wir noch über 1 Stunde schlafen können.
Könnten! Sie will nämlich nicht. Sie will wach sein. Sie will das Leben in sich aufsaugen und etwas abenteuerliches erleben. Und das alles nicht irgendwann, sondern jetzt. Morgens, halb 6 in
Deutschland...
Wir kuscheln noch ein bisschen, sie erzählt mir ihre Abenteuer der Nacht und ich versuche ihr im Halbschlaf irgendwie zu folgen. Es klappte nicht und ich hab keinen Schimmer, wovon sie da
sprach.
6 Uhr 45. Kind 2 wacht auf, hört uns und kommt auch noch ins Bett. "Mama! Du musst aufstehen!"
Ja... Ich weiss! Ich quäle mich aus dem Bett und tu das, was ich jeden Morgen tue. Ich drück erstmal den Knopf an der Kaffeemaschine und lass mir eine Tasse des schwarzen Lebenselixiers raus.
Guten Morgen, du wundervoller Tag!
Die üblichen Anweisungen folgen. Zieh dich an! Zähneputzen, Haare kämmen!" Nebenbei schmiere ich Pausenbrote und mach Frühstück für meine beiden Grazien.
Ich kann nichts essen. Seit Tagen leide ich unter Schlafmangel.
Der tote Punkt ist meist schon überbrückt, wenn ich Abends dann endlich im Bett liege. Also lieg ich da dann schlaflos und warte darauf, dass mein Koffeinkonsum des Tages seine Wirkung einstellt
und ich ins Land der Träume reisen kann...
Nachdem ich dann in die morgendliche Eiseskälte geschlurft bin - in Trainingshose und Pantoffeln, in der Hoffnung, dass meine Nachbarn nicht morgens um halb 8 aus dem Fenster schauen - und meine
Tochter über die Straße gebracht hab, die mehr Ampeln vertragen könnte als 2 die 2 km auseinanderstehen, gönn ich mir Kaffee No.2.
Die Kleine beginnt den Tag mit Schönheitspflege und versucht, eine Frisur aus ihren Haaren zu zaubern. Als 4jährige ist das gar nicht so einfach. Das teilt sie mir dann auch laut jammernd mit. "Nie
macht jemand das, was ICH will. Auch nicht meine Haare!"
Helfen darf ich nicht. Nur zuschauen. Tipps werden ignoriert.
Ich kümmer mich dann erstmal um die Wäsche.
Für das, dass ich günstig im Haus meiner Oma wohnen kann muss ich Opfer bringen. Zum Beispiel, dass ich Waschmaschine und Trockner nicht gleichzeitig laufen lassen kann, weil mir sonst die
Sicherungen rausknallen und somit für die Wäsche die doppelte Zeit brauche *soifz*
Whatever.
Der Haushalt will gemacht werden. Den verschiebe ich aber auf später und schau erstmal, was sich online so tut.
Da findet man dann auf der grünen Plattform alte Freunde wieder, die man jahrelang nicht gesehen hat und freut sich über den neuen alten Kontakt.
Der Schatz ist auch heil im Büro angekommen und hat sogar kurz Zeit für ein Gespräch im Messenger. Dann noch schnell Emails checken und die Geburtstagsfeierbilder rausschicken. Örks, kann ich
bescheuert schauen!
Gefühlte 10 Minuten, reale 1,5 Stunden und 3 Kaffee später schau ich mich dann mal um. Die Kleine hat das Wohnzimmer während meinem Ausflug in die virtuelle Welt in ein Bastelstudio verwandelt und
irgendwo zwischen den ganzen Papierschnippseln entdecke ich sie.
Wir beseitigen zusammen das Chaos und sie kehrt mit ihrer Miniversion von Schaufel & Besen so ziemlich alles zusammen, was sie findet - ausser den Schnippseln eben...
Ich lasse alles von ihr vergessene unauffällig verschwinden und sie will Fernsehen. Okay!
Ich kümmer mich um das Entfernen des Küchenchaos´ vom Vorabend und dem Morgen und sobald ich damit fertig bin, darf ich anfangen, Mittagessen zu kochen.
Ich stehe auf Abruf bereit und warte darauf, dass meine Große anruft um mir mitzuteilen, dass sie nun an der anderen Straßenseite steht und abgeholt werden will.
Dass ich immer um die gleiche Zeit draussen stehe haben wir versucht. Meine Diva trödelt allerdings immer unterschiedlich lange und ich will nicht mehr 15 Minuten in der Kälte stehen, bis sie
angeschlendert kommt...
Mittagessen und Hausaufgaben. Wir müssen uns beeilen. Eine Freundin der Großen hat sich angekündigt.
Der Nachmittag ist entspannt und ich kümmere mich - wie sollte es anders sein - um die Wäsche. Diesmal aber nicht um die Säuberung, sondern um die Glättung. Bügeln. Ich hasse es. Trotzdem mach ich
es, während ich Kaffee 6 und 7 zu mir nehme - weil es eben Teil meines Jobs ist.
Und ehe ich mich versehe, dämmert es draussen und der Kinderbesuch tritt den Heimweg an.
Bald ist es vorbei! Bald kehrt Ruhe ein!
Während ich das Abendessen herrichte, kommt ein lautes Kreischen aus dem Kinderzimmer. "Der Kaktus! Mama! Der Kaktus!"
Als ich ins Zimmer stürme, sehe ich meine beiden Prinzessinen vor einem auf dem Boden liegenden Kaktus stehen. Tja, der hat dann wohl das zeitliche gesegnet. Ziemlich schleimige Angelegenheit, so
ein Innenleben eines Kaktus´. Und eine stacheliche Angelegenheit, das Teil das sich da im Spielteppich festkrallt, zu entsorgen.
Einige Minuten und ein paar schmerzhafte Stiche in der Hand später, hab ich auch das geschafft.
Abendessen. Die Kleine macht sich gleich danach bettfertig und erklärt mir, dass sie müde ist, weil sie den ganzen Tag wach war. Ja, mein Engel... Das Gefühl kenne ich! Wir machen noch die
EInschlaflampe und den CD-Player an und sie schläft selig zu einem Hörspiel von Spongebob ein... Ich persönlich würde schon Schweissausbrüche bekommen, wenn ich nur diese schreckliche Stimme von
Patrick länger als 2 Minuten hören müsste. Sie genießt es aber offensichtlich und schon ein paar Minuten später hört man leises Schnarchen aus ihrem Zimmer.
Jetzt werden noch Hausaufgaben kontrolliert und die Anweisung gegeben, das Kinderzimmer aufzuräumen. Das mit dem Aufräumen funktioniert noch nicht wirklich einwandfrei. Meine Älteste scheint nur
aufräumen zu können, wenn sie währenddessen laut jammert, dass es gemein ist, dass sie aufräumen muss...
Ich bin unendlich müde und versuche mit meinen Blicken die Uhr dazu zu bringen, schneller zu ticken. Erfolglos.
Kurz vor 8. Endlich! Auch meine Erstgeborene macht sich bettfertig und klettert in ihr Hochbett.
Hier hört man Bibi Blocksberg - nicht wirklich besser als Spongebob. Aber ich muss ja weder das eine noch das andere hören. Thank God!
Jetzt wird noch schnell ein Abendessen für meine bessere Hälfte gezaubert, die wohl demnächst hier eintreffen wird und sich was warmes im Magen nach stundenlanger Fahrt durch die Republik nach
einem langen Arbeitstag verdient hat.
Zusammen essen, noch schnell duschen und dann kuschel ich mich in vertraute Arme und schlafe selig ein.
Und nachdem ich am nächsten Morgen nicht alleine im Bett liege und meine Töchter uns zumindest soviel Privatsphäre zugestehen, dass sie das Bett nicht stürmen, wenn mein Schatz bei uns schläft bin
ich auch zuversichtlich, dass ich erst um halb 7 das Land der Träume verlassen muss.
Alle Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt :o)
von Extraordinary
-
0
-
empfehlen